Jahrelang habe ich gedacht, die Tatsache, dass eine bestimmte Uhrzeit mich jeden Tag manisch anziehen würde, sei ein Zeichen für meine fortschreitende geistige Zerrüttung. Dann aber kam der 12. Januar 2008. Immer auf der Suche nach frischen Halbinformationen über meinen Verein, durchstreifte ich mal wieder die einschlägigen Internet-Foren und stieß auf einen Eintrag, der mich stutzen ließ. Einem gewissen Knuty war seine Geburtsurkunde in die Hände gefallen und als er seiner dort dokumentierten Geburtszeit ansichtig wurde, war es um ihn geschehen: 18:48 Uhr! Endlich einer, dem das Fantum tatsächlich in die Wiege gelegt worden war! Neidzerfressen erinnerte ich mich daran, dass ich erst gegen viertel vor zehn abends geschlüpft war. Oder hatte meine Mutter es einfach nicht hingekriegt? Da kann man doch mal mitdenken!
Ein etwas zweifelhafter Brauch ist es, den eigenen Kindern die Vornamen verdienter Spieler des Lieblingsvereins zu geben. Früher mochte das ja noch angehen, da blieben die Spieler länger als ein, zwei Jahre und es gab auch so klangvolle und poetische Namen zu vergeben wie Heinz-Werner, Hermann, Jürgen, Josef oder Walter. Heutzutage geht es da sehr viel internationaler und exotischer zu.
Immer wieder ist bei Heimspielen unseres Vereins zu beobachten, dass manche Menschen einfach nicht wissen, wie man sich im Stadion verhält. Diesen und jenen, welche z.B. im Rahmen der Erstsemester-Aktion des VfL vielleicht erstmals bei uns zu Gast sind, seien hiermit ein paar Regeln an die Hand gegeben.
...musste ich an den VfL Bochum denken.
Natürlich hatte ich mir vorgenommen, mich im Trikot meines Heimatvereins vor der Freiheitsstatue oder auf dem Empire State Building fotografieren zu lassen, doch dann erfuhr ich, dass so ziemlich jeder meiner Freunde und Bekannten schon vor mir auf diese Idee gekommen war. Ich bin so ungern (wenn auch ziemlich oft) unoriginell, also ließ ich das Vorhaben fallen.
Ich trage sehr gerne Fußballtrikot, auch wenn die meisten mir zu klein sind – was selten an den Trikots liegt. Einen Sonderfall stellen die Leibchen unseres aktuellen Ausrüsters dar, deretwegen ich meinen Vorsatz, in jeder Saison, was die Stadioncouture angeht, auf dem neuesten Stand zu sein, außer Kraft setzen musste. Um Oberteile zu tragen, die auch in XXL den Nabelkrater freilassen und sich damit auf der Tribüne sehen zu lassen, muss man wohl Untertan der britischen Krone sein.
Eine meiner vornehmsten Aufgaben als Vater besteht darin, den Nachwuchs an unseren Verein heranzuführen. Und ich darf sagen, in keinem Geschäftsfeld habe ich als Erzieher bisher so deutliche Erfolge zu verzeichnen wie in diesem. Der Sechsjährige hat zur neuen Saison seine erste Dauerkarte bekommen, und der Vierjährige durfte mit zum Abschiedspiel von Darius Wosz. Dummerweise geht er jetzt aber davon aus, dass es vor jedem Spiel ein Feuerwerk und Pyrotechnik gibt, bei dem einem noch in der zwölften Reihe der Südtribüne die Augenbrauen weggesengt werden. Auch der Überzeugung, bei seiner Anwesenheit im Stadion würden demnächst immer zwanzig Tore fallen, muss ich sanft entgegenwirken.
Es würde einem schon eine Menge Spaß entgehen, aber irgendwie hat die Idee meines älteren Sohnes durchaus seinen Reiz: „Du Papa“, sagte er nach dem rassigen Fußballfest in Cottbus, aus dem der VfL als souveräner Sieger hervorging, „könnten wir die Saison nicht einfach jetzt schon beenden?“
Der Blick auf die Tabelle lässt einem da schon das Herz aufgehen: Bayern Meister – da hat man sich dran gewöhnt wie an die jährliche Grippe. HSV auf zwo ist schon ein Kuriosum, Ückendorf auf drei durchaus ein Wermutstropfen, aber Arminia Bielefeld und der VfL im Uefa-Pokal – das hat was!
Nur dabei statt mittendrin
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