Man kennt sie alle, die Geschichten über die gnadenlosen Schleifer im Kinder- und Jugendfußball. Männer, denen mangelndes Talent, ein Beinbruch kurz vor der Unterzeichnung des Profivertrages oder der Suff die große Karriere vermasselt haben, die aber wissen, wie es geht und die ihre reichen Erfahrungen jetzt an die verwöhnten Blagen von heute weitergeben. Das wichtigste Nahrungsmittel für den jungen Fußballer ist demnach Gras, das es zu „fressen“ gilt, wobei man es gleichzeitig zum Brennen bringen soll. Obwohl Gras natürlich schon ein Zeichen für moderne Verweichlichung ist, der echte Fußball wird noch immer auf Asche gespielt, die man sich nach dem Spiel noch mal zusätzlich in die möglichst zahlreichen Schürfwunden reibt.
Kaum etwas fürchtet der Mensch im Alter so sehr wie geistige Zerrüttung. Manche von uns geraten viel früher in ein solches Stadium als gedacht. Der Autor dieser Zeilen gehört dazu. Nun gibt es nicht wenige Menschen, welche die Tatsache, dass man sich bei vier Grad und Dauerregen quer durch das Land bewegt, um in einer Gegend, die „Ostalbkreis“ genannt wird, ein Fußballspiel anzusehen, als Zeichen dafür nehmen, dass im Geist des Reisenden schon nichts mehr zerrüttet werden kann.
Es gibt so Tage, da fragt man sich am Abend, wieso man morgens überhaupt aufgestanden ist. An jenem Samstagmorgen im Herbst dieses Jahres war es die strahlende Oktobersonne, die mich morgens gut gelaunt aus dem Bett federn ließ. Es versprach, ein wunderbarer Tag zu werden: Mein krisengeschüttelter „großer“ Verein sollte im Erzgebirge die Wende zum Besseren (Aufstieg, Erste Liga, Weltpokal) einleiten, während ich mit meinem „kleinen“, der DJK Arminia im fernen Hattingen (ca. 13 Km) um Punkte kämpfen sollte. Terminlich etwas unglücklich, da ich überzeugt bin, dass die Großen besser spielen, wenn ich zuschaue. Dass die Ergebnisse nicht zu dieser Behauptung passen irritiert mich – wie jeden Fan – nicht im Geringsten. Die Ergebnisse passen derzeit schließlich meistens zu gar nichts.
Ich weiß nicht, ob ich jemals an dieser Stelle erwähnt habe, dass ich seit einem Jahr als Jugendtrainer bei der DJK Arminia Bochum 1926 tätig bin. Nun, vielleicht habe ich es mal durchblicken lassen. Meine Frau meint, ich kenne kaum ein anderes Thema mehr, aber meine Frau meint auch, die Sonne gehe im Osten auf, aber von uns aus gesehen ist da Dortmund, also kann das nicht sein.
Hallo Herr Goosen, wie haben sie in diesem Jahr die Sommerpause erlebt?
Frank, ich muss zunächst mal was zurückfragen: Haben wir uns nicht geduzt? Wir kennen uns jetzt seit über sechsundvierzig Jahren!
Es gibt jetzt Chips mit Currywurstgeschmack, und die Kinder fragen schon nach Fanta, die wie Fiege schmeckt und ob man kritische Fußballspiele wirklich lockerer übersteht, wenn man dabei Klebstoffdämpfe schnüffelt. Nicht, wenn man selbst auf dem Platz steht, gebe ich zurück, auch nicht, wenn selbst der gegnerische Trainer sagt, dass wir zur Halbzeit eigentlich Sechszwei führen müssten, stattdessen aber 1:2 hinten liegen. Es ist frappierend, wie nah E-Junioren und Profis bisweilen beieinander liegen. Am Ende hätte es Zehndrei stehen können, tatsächlich ging es Zwozwo aus. Glücklicherweise sägt niemand am Stuhl des Trainers. Wirklich nur, weil es keine Alternative gibt?
Ich habe an dieser Stelle schon mal fallenlassen, dass über die Republik verstreute Bochumer sich immer wieder Mühe geben, mich fern von Zuhause mit heimatlichem Bier zu versorgen. Von Flensburg über Aschaffenburg bis Burghausen. Das ist auch nötig, schließlich ist man auf Tour immer wieder Gefahren ausgesetzt, von denen sich die Daheimgebliebenen gar keine Vorstellungen machen.
Oft und gern fragt man sich ja, wie so ein Fußballverein auf die Spieler kommt, die er aus fernen Ländern verpflichtet. Beim VfL haben wir zum Beispiel gute Erfahrungen mit Stürmern gemacht, die wir allein nach der Frisur ausgesucht haben. Die sentimentale Vorliebe der damaligen Vereinsführung für den Achtziger-Jahre-Vokuhila-Stil bescherte uns in Person eines Griechen den letzten Bochumer Bundesliga-Torschützenkönig.
Sommerpausen sind schlimm. Winterpausen auch. Diesen Winter konnte man bisher, was die Temperaturen angeht, kaum vom letzten Sommer unterscheiden. Der Klimawandel hat auch gute Seiten, zum Beispiel, weil dieses erniedrigende Schneeschippen wegfällt. Kaum geschippt, fällt neuer Schnee, immer wieder, es ist wie gegen Bayern, du denkst, du bist durch und dann gibt es wieder aufs Maul.
Man soll ja eigentlich immer schön den Ball flach halten, die Schnauze nicht aufreißen, weil es sonst auf dieselbe gibt, keine dicke Lippe riskieren, nicht viel Wind machen und keine heiße Luft produzieren – mit einem Satz: Phrasenschweingebühren im Wert einer Stehplatzkarte!
Lieber Weihnachtsmann, liebes Christkind, lieber Fußballgott, lieber Fritz Walter oder wer immer hier zuständig sein mag! Es wird Zeit, dass Du Dir mal ein paar Wünsche von mir durchliest und sie auch wahr machst, am besten zack-zack!
Neulich wurde ich gefragt, ob mein Buch „Weil Samstag ist“ aufgrund der noch immer unkorrekten Ligazugehörigkeit meines Vereins nicht in „Weil Montag ist“ umbenannt werden musste. Ein zufällig daneben stehender Passant grunzte: „Nicht nötig. Montags laufen nur die Topspiele der zwoten Liga.“ Herrje, dachte ich, schreit mir eure Verachtung ins Gesicht, aber verschont mich mit eurem Spott.
Trainer Weichei
25.März 2013
Zerrüttung im Ostalbkreis
08.Februar 2013
Einer dieser Tage
13.Dezember 2012
Religiöse Bananen
21.September 2012
Selbstgespräch mit Tennisarm
03.August 2012
Fanfare für Pippo Rüstü!
27.April 2012
Mett und Mayo in Hamburg
05.April 2012
Die Frisur macht den Unterschied
01.März 2012
Schnee-Engel und Filzball
03.Februar 2012
Vorher schon an nachher denken
19.Dezember 2011
Mein Wunschzettel
09.Dezember 2011
Nicht witzig. Nur komisch.
02.Dezember 2011
Nein, ich habe keine Bayernkarten!
11.November 2011
Letzte Hoffnung Würfelketchup
28.Oktober 2011
Bier und Mäuse
23.September 2011
Ich hatte einen Traum
16.September 2011
I want to believe!
04.August 2011
Sommerpause: Frauen, Freaks und Vögel
21.Juli 2011
Nette Leute
24.Mai 2011
Ein Traum von Malte
13.Mai 2011
Spieltaganalyse
28.April 2011
Tanztheater VfL
08.April 2011
Rasselbande auf Klassenfahrt
18.März 2011
Schau mir in den Rachen, Kleine!
04.März 2011
Nicht in dieser Welt
17.Februar 2011
Mein erstes Trainingslager
26.Januar 2011
Wir sind überall
10.Dezember 2010
Ein frierender Mann im Schnee
26.November 2010
Von Kindern lernen
19.November 2010
Dänischer Raucher mit Bier in der Hand
04.November 2010
Venceremos!
22.Oktober 2010
Jetzt auch Obama!
01.Oktober 2010
Mir nach, Männer!
17.September 2010
Neu beim VfL: Howard Carpendale!
10.September 2010
So viele Maskottchen!
20.August 2010
Nur dabei statt mittendrin
07.Mai 2010
Reißen, nicht schneiden!
09.April 2010
Sehr unappetitlich
25.März 2010
Dazwischengrufen
12.März 2010
Glubb der Verwandten
26.Februar 2010
Wo man singt
12.Februar 2010
The Cult of Pink!
05.Februar 2010
Musse hamm!
22.Januar 2010
Von Kindern lernen
11.Dezember 2009
Da krisse Gefühle!
26.November 2009
Nicht fünf, nicht sieben, sondern sechs!
06.November 2009
Stadion-Couture
23.Oktober 2009
Nenn mich Ata!
16.September 2009
Die schöne Sonne
18.August 2009
In den Staub mit den Feinden Roms!
07.August 2009
Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist
16.Mai 2009
Neues auf Bauer Dieckmanns Wiese
02.Mai 2009
Milchzähne für den Sieg
17.April 2009
Endlich wieder siebzehn!
03.April 2009
Bayernspiele
13.März 2009
Elfmeter für Bochum!
27.Februar 2009
Wie ich einmal gegen Sestak gewann
13.Februar 2009
Nachhilfe
31.Januar 2009
Kellergeister
12.Dezember 2008
Wer jetzt noch träumt ist ein Träumer
29.November 2008
Koller, der Hool
21.November 2008
Sie sind hinter mir her!
28.Oktober 2008
Wieder was verpasst
16.Oktober 2008
Ich sitze neben Jörg Wontorra und meine Hose riecht nach Pommes
07.Oktober 2008
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26.September 2008
Männer auf verlorenem Posten: Der Superkellner
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Sophisticated Bochum
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16.Mai 2008
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05.Mai 2008
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Who the **** is Alice?
20.August 2007