Und ich dachte schon, ich müsste es selber machen. Einige Mitglieder des VfL hatten das auch gefordert. Nun gut, die sind sechs und acht Jahre alt und erwarten von mir, dass ich ihre Ausbildung bezahle sowie warmes Essen, Kleidung und Dauerkarten finanziere, also kann man dieses Votum nicht repräsentativ nennen. Trotzdem ist es schön, wenn man gefragt wird.
Klar würde ich den Trainer machen, habe ich dem Thronfolger und dem Zweitgeborenen gesagt, ich kenne mehrere tausend Typen, die alle zwei Wochen ins Stadion pilgern und den Job sofort übernehmen würden. Vor uns sitzt einer, den nennen wir sogar schon „Coach“, weil er einfach den Durchblick hat, was Aufstellung, Taktik und Fitness angeht. Sehr beliebt ist ja die Forderung: Lass sie rennen, bis sie kotzen. Der Coach meint: „Wenn ich mit denen fertig bin, wünschen die sich, es wäre nur beim Kotzen geblieben.“
Manche Ratschläge lappen allerdings durchaus ins Absurde. Da raunte mir einer beim letzten Heimspiel durch die Trennwand der Toilettenkabine zu, es liege alles am Essen: „Die ernähren sich falsch. Immer nur Möhren! Wie die Karnickel!“ Woher er das denn wisse? Das sei allgemein bekannt, Fußballer äßen viel zu viele Möhren. Mein Argument, dann müssten sie aber viel bessere Augen haben, und bei den Pässen, die wir manchmal zu sehen kriegen (im Gegensatz zu denen, für die sie bestimmt sind), könne das nicht sein, dieses Argument verhallte ungehört. „Ab und zu mal ne Pommes und sechs Bier. Nicht sieben, nicht fünf, sondern sechs Bier! Dann läuft das!“
Auch über die taktische Ausrichtung erzielen wir in unserem vielköpfigen Trainerstab nur selten Übereinstimmung. Der eine will die Raute, der andere das Trapez, der dritte schwört auf eine nebulöse Rechteck-Formation, der vierte gibt einem radikalen 3-1-6 den Vorzug und der fünfte würde am liebsten ohne Torwart spielen, um noch einen Stürmer einzuwechseln. Selbst das Argument, man müsse die Balljungen gegen jede Regel zu unseren Gunsten ins Spiel einbeziehen, wurde schon vernommen, schließlich erziele man da bei Spielen gegen Jens Lehmann bisweilen ganz gute Ergebnisse.
Einig sind sich ja alle in der Forderung nach jungen Spielern. „Bei mir spielt keiner über fünfundzwanzig“, heißt es dann in geradezu oenningscher Radikalität. Ich würde gern noch einen Schritt weiter gehen. Als die F-Jugend von Arminia Bochum am letzten Samstag nach langer Durststrecke ihren ersten Saisonsieg einfuhr, habe ich die Zukunft gesehen: Jeromes linke Klebe, die uns ein Lothar-Emmerich-Gedächtnis-Tor einbrachte; Max’ robuster Einsatz mit tödlichen Hammer unter die Latte; Alis unwiderstehlicher Flankenlauf mit dem finalen Schlenzer ins lange Eck; und nicht zuletzt der Riecher des Thronfolgers, der da steht, wo man stehen muss, wenn der Mitspieler auf der Außenbahn durchbricht und die Pocke mit letzter Kraft nach innen schlägt. Und das alles ohne Möhren!
Nur rege ich mich dabei immer so auf, dass mir mittlerweile, weil auf dem Kopf keine mehr da sind, sogar die Brusthaare ausfallen. Zu Beruhigung brauche ich dann meistens nicht fünf, nicht sieben, sondern sechs, manchmal auch drei mal sechs Bier, und das ist auf die Dauer einfach nicht gesund. Deshalb ist es schon ganz gut, dass ich es dann doch nicht machen muss.