Wenn man im Sommerurlaub historische Romane liest, kann es schon mal sein, dass man ein unangebrachtes Gefallen an überholten Strategien zur Konfliktlösung findet. Will sagen: Nachdem ich mir Robert Harris’ „Imperium“ zu Gemüte geführt hatte, tagträumte ich bisweilen davon, unliebsame Zeitgenossen nur mit einem Strohhalm bewaffnet in ein mit Sand gefülltes Rund voller hungriger Raubtiere zu werfen. In den Staub mit den Feinden Roms!
Und Kandidaten für diese Art der Bestrafung gibt es in diesen Tagen genug – jedenfalls wenn man Anhänger des VfL Bochum ist. Wie viele „Experten“ haben sich nicht entblödet, uns glatt auf Platz 18 zu tippen! Wie originell!
Am buntesten trieb es ein Adiletten-Kasper, der schon als Spieler sein nicht unbeträchtliches Talent durch märchenhafte Unprofessionalität vergewaltigte. Merke: Als Fußballer Kette rauchen ist nur cool, wenn man dann auch Europameister wird – wie Preben Elkjaer Larsen 1992. Was steht auf der Habenseite unseres Amok-Plauderers? Das Champions-League-Finale Bayern-Manchester United 1999 in Barcelona (oder für Experten: Das Hochamt). Sagt dir der Name Sheringham etwas? Oder Solskjaer? Heute lässt unser Fußballphilosoph für die Dailytalkdokutaimment-Generation in der Vier-Buchstaben-Zeitung seinen Namen über bemüht pointierte Verbalejakulate setzen. Man liest es und fühlt sich wie ein Zoologe, der eine neue Spezies entdeckt hat: Guck mal, es versucht zu denken! Aber es klappt nicht.
Egal wohin der trübe Blick auch schweift, ob in den vergilbenden Blätterwald vorgeblich seriöser Tageszeitungen oder ins Nichtigkeiten ausschwitzende Internet, landauf landab übt man sich in der Wiederholung des ermüdend Üblichen: Bochum steigt vielleicht/ganz sicher/eventuell ab. Und Meister wird wahrscheinlich Bayern. Herr Lehrer, ich weiß was: Im Scheißhaus brennt noch Licht!
Und dann ziehen sie noch über unsere Trikots her. Da ist man der einzige Verein, der nicht die bleierne textile Langeweile zu Markte trägt, und schon gibt’s Dickes. Und auf die sturzlangweiligen Wortspiele, zu denen unser neuer Hauptsponsor einlädt, kann man auch nicht mehr gespannt sein. Erstickt doch alle an eurem Dünkel, siecht dahin an eurer mangelnden Originalität! Kein Gedanke, kein Witz, nirgends!
Was bleibt uns angesichts der Häme und der Arroganz? Nun, zumindest die Erkenntnis: Wir sind Bochumer und die nicht! (Bissken plakativ, aber zu Beginn einer Saison geht es vor allem ums Einschwören!)
Und nach der Pokal-Gala in Lotte (hüstel), haben wir alle für die Auslosung zur zweiten Runde nur einen Wunsch: Möge uns Eintracht Trier vor die Flinte kommen, wo der Weiße-Sportsocken-Afficionado als kommender Meistertrainer die vierte Liga von hinten aufrollt! Dann nageln wir den Artikel aus der Zeitung mit den kurzen Sätzen und den großen Buchstaben an die Kabinentür, gehen raus und hauen dem Pfälzer Seppl sechs Stück um die Ohren, bevor wir die Löwen reinlassen: In den Staub mit den Feinden Roms!