Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist
16.Mai 2009

Die Dominas in Bochum sind derzeit praktisch arbeitslos. Wer Gefallen daran findet, sich organisiert quälen zu lassen, der geht einfach ins Stadion.

So darf man eine humorvolle Kolumne, noch dazu die letzte in dieser Saison, eigentlich nicht beginnen. Trotz allem muss man doch positiv nach vorne schauen, denn es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist, auch wenn es bedenklich stimmt, dass einem plötzlich Lenny-Kravitz-Zeilen durch den Kopf gehen.

Du weißt, dass die Angst dich am Arsch hat, wenn du schon vor dem Frühstück am Computer sitzt und nachschaust, wie viele Punkte man in den letzten Jahren brauchte, um nicht abzusteigen. Da ist ja immer von diesen ominösen vierzig Punkten die Rede, tatsächlich reichen aber meistens vierunddreißig bis sechsunddreißig. Solche Zahlenspiele sind entwürdigend, aber das ist Deutschland sucht den Superstar auch.

Ebenfalls von knebelnder Demütigung ist dieses Gefühl, den Erzrivalen die Daumen drücken zu müssen. Da tritt man abends in Unna vor einer Horde von Schwarzgelben auf und darf gar nicht auf sie einprügeln, weil sie am Nachmittag einen unserer Konkurrenten viernull abgefertigt haben. Und wie soll man den Kindern erklären, dass man plötzlich vor dem Fernseher kniet und Kevin K. aus G. anfeuert, er möge doch endlich die Kugel im gegnerischen Tor versenken! Und dann trifft der andere Konkurrent im Abstiegskampf kurz vor Schluss, und der Zweitgeborene fragt: „Papa, warum macht eigentlich bei uns keiner in der letzten Minute das Einsnull?“ Darauf gibt es nur eine Antwort: „Weil wir es nicht nötig haben! Wir wollen den Gegner das ganze restliche Spiel beherrschen und nicht auf den allerletzten Drücker durch so ein glückliches Ding gewinnen! Und ja: Die Erde ist eine Scheibe und Dieter Bohlen macht Musik!“ Der Thronfolger ist zwei Jahre älter, der stellt so sinnlose Fragen schon gar nicht mehr!

Zu welchen nervlichen Verwerfungen Abstiegskampf bis zur letzten Minute führen kann, zeigt sich an engen Freunden. Da ruft dann nach dem Berlin-Spiel mein Kumpel Scotty an und sagt: „Watt ein Mist, datt der Neururer in Duisburg untergekommen ist! Oh Mann, ich glaube, die Tabletten, die ich nehme, sind ein bisschen zu stark!“

Aber wohin das führt, wenn es richtig gut läuft, das beweist ein Blick in ein Internet-Forum, in dem sich Anhänger des BVB austauschen. Da war eines der größten Themen der letzten Tage, dass Nelson Valdez in einem Dortmunder Kinocenter gesehen wurde und unheimlich sympathisch war. Die User zählten auf, wen sie alles schon in freier Wildbahn angetroffen hatten, und eigentlich seien alle total nett und entspannt gewesen. Und Jürgen Klopp sei mit seiner Gattin in Hagen shoppen gewesen! In Hagen? Shoppen? Wie gut muss es dir gehen, wenn du sogar das toll findest?

Mein Oppa hat immer gesagt: „Mit dem Rücken zur Wand kannze nich umkippen!“ Und wenn erstmal Philipp Bönig in der letzten Minute gegen Frankfurt oder Köln mit seinem ersten, vielleicht sogar einzigen Bundesligator den Klassenerhalt gesichert hat, dann können wir endlich wieder die Dame in den hohen Stiefeln zum Hausbesuch bestellen.