Neues auf Bauer Dieckmanns Wiese
02.Mai 2009

Jetzt mal ehrlich: Wir haben schon ein verdammt geiles Stadion! Eines der wenigen, das noch mitten in einem Wohngebiet liegt und nicht draußen, vor den Toren der Stadt, wo man früher die Pestkranken und Aussätzigen abgeladen hat. Selbst in der letzten Reihe steht oder sitzt man praktisch hinter der Linie, näher dran jedenfalls als in manchen Arenen in der ersten. Unser Rasen ist so grün wie das Etikett unseres Lieblingsbieres, und die Stufen in der Ostkurve sind noch immer in der Modefarbe einer Zeit gestrichen, als Helmut Schmidt Bundeskanzler war. Seit fast einhundert Jahren wird auf Bauer Dieckmanns Wiese (wie die Älteren das Areal noch immer nennen, da der SuS Bochum das Gelände 1911 erstmals von besagtem Landwirt pachtete) Fußball gespielt, und zum Glück kommt niemand ernsthaft auf die Idee, irgendwas Neues bauen zu wollen.

Aufhübschen muss natürlich ab und an mal sein, auch wenn beinharte Puristen das anders sehen mögen. Der dreiunddreißigjährige Ben R. aus B. legt zum Beispiel überhaupt keinen Wert auf die Renovierung der sanitären Anlagen. Als Stehplatz-Hool alter Schule bekommt er die Klos ohnehin nicht zu sehen, da er seinen Platz nicht wiederkriegt, wenn er während des Spiels ablaufen lassen geht – was wiederum dazu führt, dass er den Getränkekonsum stark einschränkt, um nicht in Verlegenheit zu kommen. Bei unserer derzeitigen Heimbilanz möchte ich gar nicht wissen, was mit meinen Nerven los wäre, müsste ich jedes Spiel nüchtern durchstehen.

Auch der 45jährige Steuerberater und Block-B-Fanatiker, der es unter dem Namen „Scotty“ zu einer gewissen Bekanntheit brachte, hat seine eigene Meinung zu den anstehenden Umbauten der feuchten Örtlichkeiten: „Getz machen die bestimmt wie in den andern Stadien auch lauter Urinale an die Wand. Da musse dir Proviant mitnehmen, wenne auf Klo gehss, weil datt dann wohl doch bissken länger dauern wird. Ey, ma ernsthaft, Pissrinne is doch ne ehrliche und effektive Angelegenheit.“ Mag sein, ich persönlich muss ohnehin immer die Kabinen aufsuchen, weil ich Kommentare wie „Soll das mal ein Penis werden, wenn es groß wird?“ schon zu oft gehört habe. Lieber höre ich so Sachen wie beim Spiel gegen Karlsruhe: „Kär, watt ist datt kalt! Ich glaub, ich piss mir in die Schuhe, damit meine Füße warm werden!“

Ein paar Anregungen hätte ich dann allerdings noch: Vielleicht könnte man hinter den Tribünen im Boden verankerte Stehtische, meinetwegen aus robustem Stahl, aufstellen, damit man sein Bier, wenn man von der Wurst abbeißen will, nicht mehr dem Kumpel in die Hand drücken muss, der sich dann die Hälfte mutwillig in den gierigen Schlund kippt.

Sicher würde auch ein Tunnel vom Gästeblock rüber zur Krümmede die Arbeit der Sicherheitskräfte erleichtern. Und größenverstellbare Tore sollten im Abstiegskampf ohnehin selbstverständlich sein. Sollte jedoch jemand auf die Idee kommen, diese flimmernde, elektronische Bandenwerbung zu installieren, weiß ich schon, wo ich demnächst, zur Not auch vor Zeugen meine Notdurft verrichten werde.