Es ist bekannt, dass viele Fans alles geben für den Erfolg ihres Vereins. Was zählt die eigene körperliche Unversehrtheit gegen drei Punkte im Abstiegskampf! Und wenn man als Vater alles richtig macht, dann begreifen das die Kinder schon im Grundschulalter.
Das Spiel gegen Hoffenheim hätten wir beinahe verpasst, da wir uns noch Samstagmorgen auf Norderney aufhielten und die Fähre wegen Niedrigwassers beinahe nicht hätte ablegen können.
Wer übrigens glaubt, dass bei uns im Urlaub Fußball Pause macht, der irrt. Bereits auf der Fähre fragten meine Söhne gleichsam im Chor, welche Mannschaft denn auf der Insel spiele und in welcher Liga die auf Punktejagd gehe. Selbstredend war ich vorbereitet und unterrichtete den Nachwuchs darüber, dass der TuS Norderney in der Kreisliga Aurich/Emden zuletzt 1:7 gegen den SV Süderneuland verloren habe und den dreizehnten Tabellenplatz belege, in einer Staffel mit sechzehn Teams. In der Fairnesstabelle allerdings (thank god for beer, women, football and fussball.de!) seien die Norderneyer Spitzenreiter. „Nützt ihnen auch nix!“, kommentierte der Zweitgeborene trocken.
Nun ist Fußball auf Norderney durchaus ein Thema. Werder Bremen veranstaltet bisweilen Trainingslager hier oben und es gibt neben einigen Premiere Sportsbars auch eine Kleingartenanlage – ein ideales Biotop für Fußballfanatismus, schon um sich vor der Gartenarbeit zu drücken. Für die Schrebergärten mussten übrigens eigens drei Meter Mutterboden auf den sandigen Grund aufgeschüttet werden, wenn man dem Mann von der „Inselbahn“ glauben will, der aber auch behauptet hat, auf dem Tierfriedhof würden links von der Straße die katholischen und rechts die evangelischen Viecher beerdigt. Jedenfalls kann man in den Gärten Erschütterndes beobachten: Neben HSV- und Werder-Bannern, mit denen man in diesen Breiten nun mal rechnen muss, wurden wir auch schwarz-gelber und königsblauer Fahnen ebendort ansichtig! „Guckt nicht hin!“, sagte sogar meine Frau zu unseren Kindern, als wir bei der Inselrundfahrt daran vorbeifuhren.
Da wir unter diesen Bedingungen unmöglich das nächste VfL-Spiel störungsfrei hätten verfolgen konnten, machten wir uns am Samstagmorgen rechtzeitig auf den Weg, klauten einigen an der Mole wartenden Autofahrern die Schlüssel, wodurch die Fähre so leicht wurde, dass sie trotz niedrigen Wasserspiegels ablegen konnte und lagen am Nachmittag vor der heimischen Glotze. Beim Thronfolger wackelte seit Tagen schon ein Milchzahn, und Muttern wollte ihn schon in einer kurzen, herzhaften Bewegung herausreißen, was der Junge aber verweigerte.
Doch nachdem Joel Epalle schon früh schwer verletzt ausgeschieden und Stani Sestak von einem Kraichgauer Rammbock durch die Luft geschleudert worden war, wollte auch mein Sohn nicht abseits stehen, sondern sich adäquat ins physisch anspruchsvolle Spiel einbringen und verkündete: „Wenn wir das wirklich gewinnen, darf die Mama mir den Zahn rausreißen!“
Und so kam es dann auch. Das blutige Trikot trägt er jetzt wie eine Trophäe.