Elfmeter für Bochum!
27.Februar 2009

Neulich traf ich einen sehr alten Mann. Der hatte früher bei uns in der Nachbarschaft gewohnt. Schon damals war er sehr alt gewesen. Er hat viel mitgemacht in seinem bald zweihundertjährigen Leben: Kriege, Hungersnöte, das Werden und Vergehen ganzer Staatsformen. Ein echter Zeitzeuge. Der letzte noch lebende Mensch, der sich an einen Elfmeter für den VfL Bochum erinnern kann.

Schiris haben immer für Gesprächsstoff gesorgt, und manche Geschichten sind ja auch ganz witzig. Wie jene über den Mann auf Samoa, der kurz vor Spielende einen Elfer gab. Der Schütze lief an und trat gegen den Ball. Der Ball platzte, die Hülle blieb lieben, die Blase flog ins Tor. Da man keinen Ersatzball parat hatte, um den Strafstoß zu wiederholen, war guter Rat teuer. Schließlich gab der Referee – ein HALBES Tor! Das wohl einzige offizielle Spiel, das 0,5:0 ausging.

Oder dieser Typ in England, wo bei einem Spiel in einer Spielklasse, die unserer Kreisliga entspricht, ein Spieler mitmachte, der bei einem Arbeitsunfall einen Arm verloren hatte. Jetzt flatterte der eine Trikot-Ärmel immer so leer neben ihm her. Irgendwann flog der Ball gegen den Stumpf – und der Schiri pfiff Handspiel! Der Spieler war nicht amüsiert. Mit seiner noch verbliebenen Hand hat er dem Unparteiischen eine gepflastert und kassierte dafür die rote Karte. Meiner Ansicht nach zu Unrecht. Ich finde, wer ohne Arm Hand spielt, der hat den Ball auch verdient.

Aber vielleicht werde ich bei dieser Frage auch nur so ungehalten, da die heutigen Schiedsrichter immer einen auf empfindlich machen. Was waren das noch für Zeiten, als ein Wolf-Dieter Ahlenfelder die erste Halbzeit eines Bundesligaspiels nach knapp einer halben Stunde abpfiff – weil sein Promillegehalt mit dem der Fans konkurrierte. „Wir sind Männer, wir trinken keine Fanta!“, sagte Ahlenfelder hinterher.

Nicht nur deswegen wird er uns in Erinnerung bleiben. Ahlenfelder konnte auch Kontra geben. Paul Breitner soll ihn mal angeraunzt haben: „Herr Ahlenfelder, Sie pfeifen für’n Arsch!“ heute würde das eine wochelange Diskussion über Menschenrechte nach sich ziehen, Amnesty würde sich einschalten und der Spieler mitsamt seiner Familie ausgewiesen werden, selbst wenn es sich um einen deutschen Staatsbürger handelte. Damals konterte Ahlenfelder einfach: „Herr Breitner, Sie SPIELEN für’n Arsch!“, und das Thema war durch. Einen Spieler, der sich nach hauchzarter Berührung durch den Gegner dramatisch am Boden wälzte, herrschte Ahli auch schon mal an: „Stehen Sie doch auf, die Rasenheizung ist gar nicht an!“

Der Elfer, von dem mir der sehr alte Mann erzählte, spielte sich ab, als dieser Hirtenjunge, der später im Muttental Kohle finden sollte, noch gar nicht geboren war. „Ein klares Foul“, sagte der sehr alte Mann. „Ein berechtigter Elfmeter. Und schön verwandelt!“

Es ist also mal wieder an der Zeit. Es muss übrigens kein „berechtigter“ sein. Ich nehme auch einen gelogenen. Da hätte ich größtes Verständnis für den Schiri.