Kinder sind ja heute viel abgeklärter als früher. Wissen mehr, können mehr, dürfen mehr. Und beziehen ganz klar Position.
Mein älterer, der Thronfolger tritt für eine Aufstockung der Bundesliga auf mindestens 28 Vereine ein. Diese Zahl könne auch nach oben korrigiert werden, wenn der VfL am Ende einer Saison auf einem Abstiegsplatz stehe. Unsere Erstligazugehörigkeit wäre damit dauerhaft gesichert. Außerdem entfalle dann diese scheußliche Winterpause.
Da hat er Recht. Man kommt ja komplett aus dem Rhythmus. Wozu muss man sich alles herablassen, um Wettkampfpraxis vor dem Fernseher zu behalten! Skispringen ist sterbenslangweilig. Bei Snooker kann man schön entspannen. Und Darts lohnt sich schon wegen der durchgeknallten Caller, die bei einer „ONEHUNDREDANDEIIIIIIIIIGHTIIIIIIIIIIIIIIE!“ kurz vor der Koronarinsuffizienz stehen. Aber irgendwann ziehen schwitzende dicke Männer nix mehr vom Teller und man lechzt wieder nach dem echten, unverschnittenen Stoff, der da Fußball heißt.
An das ganz reine Zeug kommt man aber erstmal nicht ran. Und so kommt es, dass man sich sogar Hallenfußball antut, obwohl das ein bisschen so ist wie Sex mit einer Gummipuppe, also nichts Halbes und nichts Ganzes, allenfalls Ersatz und Surrogat. Hab ich vorher gedacht. Dann aber haben wir den Ballsportverein Lüdenscheid mit sechsnull aus der eigenen Hütte geschossen, und ich musste feststellen: Das macht eigentlich immer Spaß, egal ob in der Halle, am Strand oder beim Tipp-Kick.
Schließlich hängt man vor dem Computer und vertieft sich in verwackelte, aus ungünstiger Position aufgenommene, monoton kommentierte Heimvideos von Testspielen im spanischen Trainingslager. Um die zweieinhalb Minuten ein wenig zu dehnen, hält man zwischendurch mal an, gibt vor, die taktische Aufstellung analysieren zu können und vom Schenkelumfang der Spieler auf ihren Fitnesszustand zu schließen.
Gespielt wurde gegen eine exotische Mannschaft aus einer Gegend der Welt, von der man gar nicht wusste, dass es da überhaupt Fußball gibt – und gegen eine chinesische Mannschaft. Kleiner Scherz. Jedenfalls kam das vor dem Hinrundenspiel etwas voreilig gefertigte T-Shirt mit der Aufschrift „Hoffenheimbesieger“ doch noch zum Einsatz.
Als das Spiel gegen den FSV Frankfurt ausgetragen wurde, war ein Kind bei uns zu Besuch, das noch nicht lange in Bochum wohnt, die Gepflogenheit, gleichsam „die Laufwege“ noch nicht verinnerlicht hat, aber sehr fußballbegeistert ist. Der Junge wollte nun, wie die meinigen auch, unbedingt wissen, wie das Spiel ausgegangen war. Ich wusste es nicht, und im Internet war noch nichts zu finden. Gegen sechs Uhr wurde er von seiner Mutter abgeholt, die immerhin wusste, dass es kurz vor Schluss 0:1 gestanden habe. „Aber“, sagte der Junge mit einem Leuchten der Hoffnung in den unschuldigen Augen, „vielleicht haben sie in der letzten Minute noch den Ausgleich gemacht!“ Darauf mein älterer Sohn: „Du musst noch viel lernen über den VfL!“