Es ist ja immer schön, wenn man zitiert wird. Der Zitierende gibt damit im günstigsten Falle zu, dass er das Zitierte besonders amüsant oder treffend findet. Ich jedenfalls freue mich immer, wenn mir mal wieder jemand auf die Schulter schlägt und sagt: „Du hast ja so recht, mit dem, was du da geschrieben hast! Ich wünschte, ich könnte das so ausdrücken!“ Die meisten können es auch, tun es aber nicht. Deshalb habe ich noch immer ausreichend Arbeit.
Selten bin ich so oft für eine Formulierung gelobt worden wie nach dem Spiel in Wolfsburg. In meinem Bühnenprogramm „Echtes Leder – Geschichten aus der Tiefe des Raumes“ (habe ich eigentlich erwähnt, dass dazu eine sehr schöne CD vorliegt?) stelle ich die rhetorische Frage: „Darf meine Mannschaft gewinnen, obwohl sie 89 Minuten über das Feld gestolpert ist wie eine Horde Einbeiniger, und dann macht sie in 90 Minute aus klarer Abseitsprosition und nach grobem Foulspiel die entscheidende Bude?“ Natürlich beantworte ich die Frage gleich selbst: „Sie darf nicht gewinnen, sie MUSS! Glück ist mit die Doofen, und wenn die Doofen unsere Doofen sind, dann ist es kein Glück, sondern die bessere Spielanlage!“
Siege wie der in Wolfsburg sind mir eigentlich die Liebsten. Weil sie so gemein und hinterfotzig sind, und tief in mir drin bin ich auch gemein und hinterfotzig. Na gut, im Stadion nicht nur tief in mir drin. Allerdings funktionieren solche fiesen Siege nur gegen Mannschaften, die uns auf dem Papier überlegen sind. Ein 1:0 in der Nachspielzeit gegen eine Auswahl der Kreisliga C ist nicht sexy.
Sehr sexy, um nicht zu sagen pornographisch wäre folgende Schlussphase: „Die reguläre Spielzeit ist abgelaufen. Es läuft die dritte Minute der Nachspielzeit. Der VfL Bochum hat sich in diesem hässlichen Spiel fast über die gesamte Zeit in seiner Hälfte eingeigelt und verteidigt mit elf Mann gegen den beeindruckenden, technisch brillanten Hochgeschwindigkeitsfußball der Gastgebermannschaft. Keine einzige Torchance haben sich die Männer aus dem Ruhrgebiet erarbeitet. Dreimal kratzten die Verteidiger den Ball von der Linie. Einmal hat Maltritz den Ball praktisch gefangen, was der Schiedsrichter jedoch geflissentlich übersah. Viermal musste Aluminium retten, und zwei Tore der Gastgeber wurden wegen einer Abseitsstellungen, die keine waren, nicht anerkannt. Sämtliche Bochumer Spieler haben die gelbe Karte gesehen. Trainer Marcel Koller wurde mit Handschellen auf der Trainerbank fixiert. Co-Trainer Frank Heinemann wurde nicht nur auf die Tribüne gesetzt, sondern gleich des Stadions verwiesen und der Kriminalpolizei überstellt. Doch was passiert jetzt? Christoph Dabrowski überschreitet mit dem Ball die Mittellinie und passt auf Thomas Zdebel. Aber was macht er! Rammt seinem Gegenspieler den Ellenbogen ins Gesicht! Das MUSS der Schiedsrichter doch sehen! Die Sechsundsechzigtausend Zuschauer, die nicht Anhänger des VfL sind, toben! Zdebel aber passt unbeeindruckt nach innen auf den pfeilschnell herangeeilten Philipp Bönig, der den Ball aus elf Metern ganz cool dem herauseilenden Torwart durch die Hosenträger spielt. Und das war die letzte Aktion dieses unglaublichen Spiels! Völlig unverdient gewinnt der VfL Bochum in der Allianz Arena und vermasselt dem FC Bayern damit die Meisterschaft. Mark van Bommel befindet sich auf dem Weg ins Krankenhaus.“
So, und jetzt sonn Ding gegen Schalke!