Künstler machen ja manchmal so Phasen durch. Die blaue Periode, der pinke Abschnitt oder die Jahre in denen einer nur Butterbrote malt. Der VfL hatte in der letzten Saison seine griechische Phase. Bekanntlich wechselte Theofanis Gekas für eine Extraportion Kopfschmerztabletten in einen Kölner Vorort, doch wer nun glaubt, er sei hier vergessen, der irrt. Kinder haben ein gutes Gedächtnis (meine jedenfalls) und es fällt ihnen immer wieder etwas Tolles ein, um einen verdienten Spieler zu ehren.
Und so begab es sich, dass mein Zweitgeborener zum Geburtstag im Juni letzten Jahres einen mittelgroßen Schäferhund aus Plüsch geschenkt bekam, der einen Namen brauchte. Kinder, die dann auf so einen Quatsch kommen wie Bello oder Fifi oder Wau-Wau, fristen später ein Dasein als soziale Randexistenzen, konsumieren gefährliche Drogen, treiben antriebslos dahin oder werden sogar BVB-Anhänger. Dass bei uns so etwas nicht droht, war mir klar, als mein Sohn mich ansah und sagte: „Der Hund heißt Gekas!“ – „Ach“, sagte ich, „das ist ja eine tolle Idee. Und wieso?“ – „Weil der so schnell ist, der Hund.“ – „Aber wenn es um Schnelligkeit geht, könntest du ihn auch Papa nennen!“ – „Nein, der Hund ist noch schneller!“ Um mir das zu beweisen, warf mein Sohn das Tier vom Balkon im ersten Stock – und tatsächlich, das Tier war schneller unten als der durchschnittliche Bundesliga-Abwehrspieler „Hintermann“ rufen kann.
Gekas verbringt nun ganze Tage mit meinem Sohn. Schnell ist er allerdings nur, wenn man ihn irgendwo runterwirft. Zu den Stöckchen, welche die Kinder im Wohnzimmer durch die Gegend werfen, auf dass der hellenische Hund sie apportiere, muss man ihn hintragen. Ansonsten sieht er uns gern beim Mittagessen zu und kriegt ganz glasige Augen, wenn wir uns Kräuterquark auf die Pellkartoffeln schaufeln.
Andere Kinder sind bass erstaunt und sehr neidisch, wenn sie hören, dass Gekas bei uns wohnt. Wenn sie rauskriegen, dass es sich um einen Plüschhund handelt, schlagen sie zurück, in dem sie ihren Teddy plötzlich Imhof nennen. Auch ein Playmobil-Polizist namens Maltritz gehört nun zu unserem Bekanntenkreis. „Der passt auf, dass keiner rauskommt.“ – „Wo raus?“ – „Aus dem Gefängnis.“ – „Aber der Marcel Maltritz passt doch auf, dass keine reingeht. Also ins Tor.“ – „Du musst noch viel lernen, Herr Goosen!“ (Wo haben die Blagen das heute nur her?)
Ein paar Wochen nachdem Gekas Teil unserer Familie geworden war, durfte er auch bei meinem Sohn übernachten, immerhin war er stubenrein und rammelte auch nicht bei Fremden ans Wadenbein, wie das Pudel manchmal tun. „So“, sagte ich eines Abends, „den Gekas legen wir mal hier ans Fußende, da passt er auf dich auf.“ – „Grothe.“ – „Wie meinen?“ – „Abends heißt der Gekas Grothe!“ Ich versuchte mich zu erinnern, ob der Grieche bei Flutlichtspielen irgendwelche Unsicherheiten gezeigt hatte, beherzigte dann aber den Wahlspruch jedes Humoristen: Hör auf, dich zu wundern, fang an, drüber zu schreiben.
Am gleichen Abend kramte ich einen alten Steiff-Dackel hervor, der zwischen 1969 und etwa 1974 mein ständiger Begleiter gewesen war. „Wer ist das denn?“, wollte meine Frau wissen, als das Tier abends bei uns auf der Bettkante saß. „Ach“, sagte ich, „das ist nur der Woelk. Aber tagsüber heißt er Eggeling. Verdammt schnell, das Viech!“ Wie gesagt, Künstler machen manchmal so Phasen durch.