Habbich, Habbinich
22.Februar 2008

Meine Leidenschaft für Fußball wäre schon als Kind nicht komplett gewesen ohne das Sammeln von Fußballbildern der Firma Panini. Ständig erbettelte ich damals von Verwandten Kleingeld, um mich an der Bude mit die Tütchen eindecken zu können, nur um dann festzustellen, dass die Bilder des Heimatvereins offenbar verstärkt in Frankfurt verkauft wurden, während einem hier pausenlos die uninteressanten Gesichter der dortigen „Eintracht“ entgegen fielen.

Eine Möglichkeit an Bilder zu kommen, die man noch brauchte, um sein Album voll zu kleben, war das Tauschen. Man zeigte sich gegenseitig, was man hatte, mit dem Daumen immer ein Bild vom Stapel in der linken Hand wischend und der Gegenüber sagte dann: „Habbich, Habbich, Habbinich, Habbich“, und die „Habbinichs“ wurden rausgezogen. Wenn man mit dem Stapel durch war, ging das Verhandeln los. Ein Jupp Kaczor ging dann nicht unter drei Bayern weg.

Noch heute ärgere ich mich, dass meine alten Alben die Fährnisse der Zeitläufte nicht überstanden haben und einfach verschütt gegangen sind. Nun gut, denkt man sich irgendwann, wahrscheinlich in der Pubertät, das liegt jetzt hinter mir, ich lenke meine Energien lieber auf Mädchen, Alkohol und Radaumusik mit Stromgitarren. Bildchen sammeln ist Kinderkram.

Habe ich auch gedacht.

Neulich stand ich mit zwei anderen Vätern zusammen, und wir parlierten über Weltpolitik, bis Heiner ein wirklich wichtiges Thema ansprach: „Findet ihr nicht auch, dass man die Mannschaftsbilder in den Panini-Alben unmöglich korrekt zusammenkleben kann?“ Die Erleichterung, dass endlich jemand dieses Problem poblematisierte, war mir Händen zu greifen: „Allerdings! Das ist wirklich eine Unverschämtheit!“ – „Und die silbernen Bildchen, also die Vereinswappen und die Mannschaftskapitäne kriegt so schwer abgezogen!“ –„Macht mich wahnsinnig!“ – „Klebst du auch die Dortmunder immer absichtlich ein bisschen schräg ein?“ – „Nee, das kann ich nicht haben. Ich lass auch die Kinder nicht selbst einkleben, wie sieht das denn aus!“

Und schwupp, hatten wir alle unsere Packen mit den Doppelten aus der Tasche geholt und murmelten: „Habbich, habbich, HabbiNICH! Oder? Ich weiß nicht genau!“

Das ist der Moment, da man wieder mal merkt, dass man älter wird. Als Kind hatte man lückenlos im Kopf, wen man hatte und wen nicht, heute zieht man eine ausgedruckte Excel-Tabelle aus der Tasche, wo die fehlenden Bilder verzeichnet sind.

„Ich geb dir Klose und Amedick für den Concha.“ – „Willst du mich beleidigen? Für den will ich mindestens drei Bayern!“ – „Zwei Bayern und einen Stuttgarter, aber nicht Luca Toni und nicht Gomez!“ – „Dann musst du aber noch einen Bremer drauflegen!“ – „Einen Wolfsburger. Ist auch grün!“ – „Gebongt!“

Und um den Rest wird dann geschnibbelt. Und das geht so:

„Ha! Das sind alles meine!“ – „Du bist doch nicht ganz dicht! Mein Willi ist mit der oberen Spitze viel näher an er Wand!“ – „Mir ist egal, wo dein Willi ist, aber mein Ingwer Carlsen-Bracker liegt so nah dran, den kann dein Duisburger gar nicht mehr sehen!“ – „Leute beruhigt euch, ich gehe schnell nach Hause und hole diesen Laser-Abstandsmesser, damit kriegen wir Klarheit!“

Bildersammeln ist eine viel zu ernste Angelegenheit, als dass man sie Kindern überlassen könnte.