Jahrelang habe ich gedacht, die Tatsache, dass eine bestimmte Uhrzeit mich jeden Tag manisch anziehen würde, sei ein Zeichen für meine fortschreitende geistige Zerrüttung. Dann aber kam der 12. Januar 2008. Immer auf der Suche nach frischen Halbinformationen über meinen Verein, durchstreifte ich mal wieder die einschlägigen Internet-Foren und stieß auf einen Eintrag, der mich stutzen ließ. Einem gewissen Knuty war seine Geburtsurkunde in die Hände gefallen und als er seiner dort dokumentierten Geburtszeit ansichtig wurde, war es um ihn geschehen: 18:48 Uhr! Endlich einer, dem das Fantum tatsächlich in die Wiege gelegt worden war! Neidzerfressen erinnerte ich mich daran, dass ich erst gegen viertel vor zehn abends geschlüpft war. Oder hatte meine Mutter es einfach nicht hingekriegt? Da kann man doch mal mitdenken!
Natürlich konnte diese spektakuläre Nachricht nicht einfach so durchgehen. Seitenweise betrieben nun alle möglichen User Zahlenmystik. Der User mit dem schönen Nickname Peter Madsens Haargummi musste zunächst mal stinksauer feststellen, dass seine offizielle Geburtszeit 18:45 Uhr war: „Und wenn ich rauskriege, welcher Vollidiotenarzt da nicht richtig auf die Uhr gucken konnte…“
Etliche Menschen gaben an, an jedem Abend genau um 18:48 auf die Uhr zu schauen oder dass ihre Mobilfunk-, Festnetz- oder Autonummern auf 1848 endeten. Kaisehr nimmt, wenn er zum Samstagabend-Schwoof in die Stadt fährt immer die Linie 302, 18:48 Uhr ab Altenbochum Kirche – was sich wie eine verklausulierte Kontaktanzeige liest. Bjoern gestand, mal besoffen durch eine geschlossene Glastür gelaufen zu sein, und im Unfallbericht sei völlig korrekt 18:48 Uhr als Unfallzeitpunkt eingetragen worden. Schon vor der „heute“-Hauptsendung volltrunken? Respekt!
Es meldeten sich aber auch voller Sorge Menschen zu Wort, die nirgendwo in ihrem Leben auch nur eine 48 entdecken konnten und nun fürchteten, es könne ihnen der Fan-Status offiziell abgesprochen werden, wie der Kollege, dem seine Schuhgröße 43 so unvaueffellig vorkam. Rumpelfuß aber konnte ihm helfen: „Keine Panik, das liegt nur an den gerundeten Einheitsschuhgrößen. Wahrscheinlich ist deine wirkliche Schuhgröße 42,98837. Und die zum Quadrat genommen rettet dich!“
Obwohl all diese Herrlichkeiten am helllichten Tage gepostet wurden, wurde es mit zunehmender Dauer immer wunderlicher: „Ich bin zwischen 18 und 48 Jahre alt!“ war noch harmlos gegen „Ich wurde 1848 geboren!“ AntiCO (der Name spielt an auf ein früher in Bochum ansässiges Fleischfachgeschäft) verstieg sich zu der Feststellung: „Gestern waren hier 18 Grad bei 48% Luftfeuchtigkeit! Im Ernst!“ Nicht zu warm, nicht zu trocken – der Mann wird zumindest von Grippeviren weitgehend verschont bleiben.
Max-vfl nahm unter dem Eindruck dieser interessanten Diskussion eine Vermessung seines besten Stückes vor und die Messung ergab genau – nein, leider nur etwas über 14 cm. Und auch der vom Schreibenden selbst angegebene IQ von 72 lag deutlich nicht im VfL-Bereich. Schon eher aber Rumpelfuß: „Ich schaue schon seit Jahrzehnten alle naselang um 18:27 auf die Uhr und bin völlig fertig. Beethovens Todesjahr und den VfL gibt es noch gar nicht.“ VfL-Fans delirieren von Beethoven! Diese Stadt braucht dringend ihr Konzerthaus!
Stöpsel brachte dann auch mich noch mal ins Nachdenken. Beide sind wir 1966 geboren: 18+48=66. Wirklich unfassbar!
Übrigens hat mein Steuerberater mich noch darauf hingewiesen, dass alle Kindergeldbezieher eigentlich per se Anhänger des VfL sein müssten: 154 Euro pro Nase und Monat gibt es Blagenkohle. Das mal zwölf ergibt? Genau: 1848!
Ich komme mir jetzt auch gar nicht mehr so blöd vor, wenn ich die Kinder zu unserem allabendlichen Ritual ins Wohnzimmer hole: Wir warten, bis die absolut genaue Uhr im Digitalempfänger auf exakt 12 Minuten vor 19 Uhr springt und verbeugen uns unter Absingen des Bochumer Jungenliedes in Richtung Stadion. Bisher dachte ich, ich hätte nicht mehr alle Pickel an der Raufaser. Jetzt weiß ich zumindest: Ich bin nicht allein.