Name the Baby!
24.November 2007

Ein etwas zweifelhafter Brauch ist es, den eigenen Kindern die Vornamen verdienter Spieler des Lieblingsvereins zu geben. Früher mochte das ja noch angehen, da blieben die Spieler länger als ein, zwei Jahre und es gab auch so klangvolle und poetische Namen zu vergeben wie Heinz-Werner, Hermann, Jürgen, Josef oder Walter. Heutzutage geht es da sehr viel internationaler und exotischer zu.

Nehmen wir als Beispiel mal unseren Nachbarn im Westen: Da wurde, wie wir mir eine Hebamme aus Gelsenkirchen-Buer versicherte, selten Wert darauf gelegt, ob Vor- und Nachname zueinander passten. So ging die Verehrung für einen, zugeben nicht unsympathischen dänischen Stürmer so weit, dass Säuglinge auf den Namen „Ebbe“ getauft wurden. Das mag in Dänemark ein ganz gängiger Vorname sein, nur klingt es irgendwie nicht ganz so toll, wenn man hinten immer noch Plachetta heißt. Ob es heutzutage wieder in ist, sein Kind Gerald zu nennen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Fußballspieler selbst sind ja auch nicht vor Geschmacksverirrungen gefeit. So begab es sich, dass dem Spieler Michael Kostner, der unter anderem für den Hamburger SV und den 1.FC Köln tätig war, ein Sohn geboren wurde, und Vattern hatte nix besseres zu tun, als das Kind „Kevin“ zu nennen. Schon fast beruhigend, dass die Karriere des amerikanischen Schauspielers Kevin Costner mittlerweile so sehr im Sande verlaufen ist, dass dem Kind hoffentlich bleibende Schäden erspart bleiben.

Dass die Leidenschaft für einen Verein auch unter Fußballjournalisten bunte Namensblüten treibt, durfte ich feststellen, als nach dem Erscheinen des „Kleinen Stadionknigge“ im letzten Heft ein Fernsehbeitrag für „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ darüber gedreht wurde. Der zuständige Redakteur gab sich mir gegenüber ganz ungeniert als Anhänger von Arminia Bielefeld zu erkennen. Na gut, es gibt Schlimmeres.

Als wir auf den Toniningenieur und den Kameramann trafen, versuchte der Redakteur eine gute Stimmung herzustellen, indem er ungefragt darauf hinwies, er sei komplett entspannt, da er heute zum ersten Mal seit der Geburt seiner Tochter wieder Verkehr gehabt habe. Worauf der Tonmann wissen wollte, wie alt die Tochter den sei. Sieben Monate, gab der Redakteur zurück. Der Tonmann war entsetzt „Du hast sieben Monate nicht? Ich hab auch Kinder! Zwei Monate!“ Als der Redakteur den Mann am Mikro daraufhin als „Sexmonster“ bezeichnete, wurde mir die Sache zu intim und ich drängte darauf, endlich mit der Arbeit zu beginnen.

Um die Stimmung nicht zu torpedieren, fragte ich den Redakteur, wie denn seine Tochter heiße. Der erste Name des Kindes tut hier nichts zur Sache, der zweite aber lautete tatsächlich „Arminia“. Ich glaubte an einen Scherz, aber das war keiner. Und der Mann hatte für das Mädchen auch schon ganz konkrete Pläne: Er habe da eine Bekannte, die sei von Bielefeld nach Bocholt gezogen und habe dort einen geheiratet, der mit Nachnamen Bielefeld heiße. Die beiden hätten einen Sohn bekommen, und der solle nun später mal die Tochter des Redakteurs heiraten, damit sie, sicher voller Stolz, mit dem Namen „Arminia Bielefeld“ durchs Leben gehen könne.

Das war mal wieder so ein Moment, wo ich mich so irritierend normal fühlte.

Und voller Verwunderung fragte ich mich: Wer zieht freiwillig von Bielefeld nach Bocholt?