Ich lebe ja in einer weitgehend glücklichen ruhrisch-fränkischen Mischehe, bin dadurch Onkel von drei Neffen und einer Nichte in Nürnberg geworden, weshalb Spiele gegen unseren heutigen Gegner für mich immer etwas schwierig sind. Der 1.FC Nürnberg ist für mich der Glubb der Verwandten.
Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, wusste im achtzehnten Jahrhundert bereits Johann Gottfried Seume, auch wenn sein Diktum böse Menschen hätten keine Lieder bei jedem Auswärtsspiel widerlegt wird.
Also, es war doch gar nicht so schlimm, hat jedenfalls nicht wehgetan und diesmal hat auch niemand gelacht. So fürchterlich ist es also gar nicht, in Pink zu spielen. Oder Magenta oder Rosa. Oder wie die Farbe nun mal heißt.
Gibts etwas nervtötenderes als die Winterpause? Klar, die Sommerpause, weil sie noch länger ist. Endlose Tage ohne Bundesligafußball. Leben ohne Inhalt, ohne Sinn. Was tun?
Es konnte eigentlich nicht schief gehen, auch wenn ich auf ein gutes Gefühl vor dem Spiel nichts mehr gebe. Aber am Mittag des Stuttgart-Spiels hatte ich schon einen Kick gesehen, der die Blaupause abgab für das Auftreten unseres VfL. Die F1-Jugend von Arminia Bochum 1926 erkämpfte sich mit bundesligatauglichem Einsatz ein hochverdientes 1:1 im Freundschaftsspiel gegen Wattenscheid 09.
Es gibt da diese Szene in „Asterix bei den Briten“, wo Asterix und Obelix zusammen mit Teefax ein Rugby-Spiel besuchen. Die britischen Zuschauer stehen vor dem Spiel gesittet in der Kassenschlange, bedenken das Vorprogramm mit höflichem Applaus – und rasten völlig aus, als es heißt: „Und hier die Spieler!“ Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich entweder im Stadion oder im heimischen Fernsehzimmer Familienväter in ihren Vierzigern sehe, wie sie sich kurz nach dem Anpfiff in grunzende, sabbernde Urmenschen zurückverwandeln, bei denen es schwer fällt, sich vorzustellen, sie stammten vom Affen ab, da Affen sich meist sehr viel zivilisierter benehmen.
Und ich dachte schon, ich müsste es selber machen. Einige Mitglieder des VfL hatten das auch gefordert. Nun gut, die sind sechs und acht Jahre alt und erwarten von mir, dass ich ihre Ausbildung bezahle sowie warmes Essen, Kleidung und Dauerkarten finanziere, also kann man dieses Votum nicht repräsentativ nennen. Trotzdem ist es schön, wenn man gefragt wird.
Manchmal beschleicht mich schon der Gedanke, die Erziehung des Nachwuchses in Sachen Fußball könnte ein wenig ZU erfolgreich verlaufen. Am Vormittag unseres Spiels in der Ostzone unserer Heimatgegend, weigerte sich der Zweitgeborene unter Tränen, das von seiner Mutter herausgelegte Oberteil anzuziehen. Weil es schwarz-gelb sei. Nein, nein, das sei kein Schwarz, gab Muttern zurück, die in ihrem kleinen fränkischen Dorf eher fußballfern sozialisiert worden ist, das sei eindeutig ein sehr dunkles Blau. Außerdem ist auch noch Weiß darin. Nix zu machen. Dunkelblau ist zu nah dran. Na gut, an Spieltagen ist eine solche nervliche Zerrüttung zu tolerieren, aber langfristig sollte man ein Auge drauf haben.
Glubb der Verwandten
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