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Frank Goosen //

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Auftritt Frau Förster

Düsseldorf. Meine Lieblingsveranstalterin Christine B. war heute nicht auf einer Beerdigung, sondern hat sich nur schick gemacht.

Saskia M. aus G., die wo meistens meine Bücher und den dazugehörigen Killefit (Merch) verkauft, hat es übrigens wirklich getan: Wochenlang hatte sie davon geredet, sich eingedenk Edward Cullens, dem Hamster in „Förster, mein Förster“ ebenfalls ein Hamstertier anzuschaffen. Der ist nicht golden wie Edward, sondern braun wie ein Grizzly, vor allem aber auch kein „der“, sondern ein Weibchen. Heißt auch nicht Bella Swan, sondern: Frau Förster! Ich bin gerührt.

Blond, dicht und wollig

Bin rechtzeitig wieder zu Hause, um den Zweitgeborenen zu seinem Auswärtsspiel bei der SG Linden-Dahlhausen zu fahren. Auswärtsspiel trifft es, denn auch wenn das immer noch zu Bochum gehört, bin ich doch manchmal schneller in Dortmund als in Linden, vor allem, wenn ich auf der Hattinger hinter der Linie 308/18 hänge und die Fahrgäste ständig mitten auf der Straße aussteigen.

Die D1 der DJK Arminia Bochum 1929 gewinnt 13:0 und der zweitgeborene schießt alle dreizehn Tore. Na gut, nur das letzte, aber er war die ganze Zeit auf dem Platz.

Der Thronfolger übernachtet auswärts, um noch mal in aller Ruhe mit seinem Kumpel die Blu-Ray-Edition der James-Bond-Filme durchzuarbeiten. Mit dem Zweitgeborenen schauen wir uns „Fimpen, der Knirps“ an, ein legendärer schwedischer Film aus dem Siebzigern über einen sechsjährigen Jungen, der die schwedische Fußballnationalmannschaft zur WM in Deutschland schießt. Der Clou: Es spielen lauter Fußballer mit, Ronny Hellström etwa, der später beim 1.FC Kaiserslautern im Tor stand. Hellström trägt auch die schönste, zeittypische Kopf- und Gesichtsbehaarung, blond, dicht und wollig. Fimpen ist so eine Art Karlsson-am-Ball, ein schönes Beispiel für die in jener Zeit übliche Tendenz, Kinder als starke Persönlichkeiten zu zeigen, die alles erreichen können, was sie wollen. Die Spielszenen sind zum Teil vor echten Liga- und Länderspielen gedreht worden, vor Stadionpublikum und mit allen Spielern, die sich bereitwillig von Fimpen nass machen lassen. Selbst der Nationaltrainer der UdSSR hat seinen Auftritt. Liebslingsszenen: die, in denen die halbe schwedische Nationalmannschaft abends versucht, Fimpen in den Schlaf zu lesen, dann aber nur selber einpennt, während der Knirps fit wie ein Stollenschuh bleibt. Angucken!

Hamburg leuchtet

Wenn einen Tag nach dem plötzlichen Tod von Prince Rogers Nelson die Sonne hoch über der Binnenalster steht und ein alter Leierkastenmann "When Doves cry" spielt - dann ist das vor allem eine Lüge. Der spielt natürlich so was wie "Veronika, der Lenz ist da", und der Saxophonspieler ein paar Meter weiter "New York, New York". Man muss kein beinharter Prince-Afficionado sein, um den Umstand, dass die Welt sich einfach immer weiter dreht, egal, was passiert, zu bedauern. Wär schön, wenn irgendeiner mal kurz Pause drücken würde. Kann doch so eigentlich nicht weitergehen. So viel altes, eigenes Leben wie in den letzten Monaten ist selten in so kurzer Zeit weggestorben. Mit Schmidt, Genscher, Späth, Koschnick hat die alte BRD wieder ein paar Löffel abgegeben, mit Westerwelle auch die Berliner Republik ihren ersten, dazu Lemmy, Bowie, Prince. Keiner kommt hier lebend raus. Weiß man, kennt man, kann man nix dran machen. Scheiße ist es trotzdem. So, Pause vorbei, Play drücken, weiterleben, mein lieber Herr Gesangsverein.

Da sich die DFL noch immer nicht nach meinem Tourplan richtet, sehe ich das Spiel des VfL Bochum gegen den Karlsruher SC in der sympathisch graffitti-übersäten Garderobe der „Fabrik“ in Altona. Da hatte ich bei der Ansetzung der Lesung mal gepokert und gehofft, dass wir am Samstag oder Sonntag spielen, aber in solchen Fällen verliere ich meist. Auch beim Texas hold’em kriege ich keine Schnitte mehr, nicht mal gegen meine Kinder. Manchmal sehnt man sich die Zeiten zurück, in denen man sie absichtlich beim Mensch ärgere dich nicht gewinnen ließ, aber wusste, dass man sie ganz leicht hätte fertig machen können.

Doppelt unangenehm: Heute Abend spielt der HSV zu Hause gegen Werder Bremen, es geht für beide um den Klassenerhalt. Das wirkt sich nicht gerade förderlich auf den Zuschauerzuspruch aus. Na ja, und so wenige sind dann auch nicht gekommen, etwas über hundert, da kann man nicht meckern. Einige sind sehr schön. Alle stellen hinterher sehr gute und sehr viele Fragen. Hamburg leuchtet.

Was auch am Kollegen Frank Schulz liegt, der mit seiner zauberhaften Flamme das Auditorium veredelt. Hinterher ziehen wir in eine Pizzeria gleich daneben, wo man uns erst in Sicherheit wiegt, um dann gegen halb zwölf Bowie und Prince in ohrenbetäubender Lautstärke zu spielen. Dazu fährt eine Leinwand herunter und zeigt Videos, eine Discokugel dreht sich. Keiner der Gäste scheint das gut zu finden, Gespräche sind nicht mehr möglich. Die Geschäftsleitung erhebt stummes Achselzucken zur Kunstform. Wir lösen auf.

Buch im Gegenlicht

München hat dann tatsächlich noch mal einen draufgesetzt und noch mal sehr viel länger gefragt als Stuttgart und München. Der Autor hat aber auch von ich aus sehr viel geredet, weil er den ganzen Tag alleine war und deshalb offenbar ein gewisses Kommunikationsdefizit hatte. Und so im Gegenlicht fotografiert, wird einem wieder mal klar, wieso es heißt, ein Buch „erscheint“.

Im Zug werden heute wieder Gummibärchen verteilt. Im ganzen Wagen wird geraschelt. Stundenlang. Na gut, vielleicht zehn Minuten, aber trotzdem: Wo ist die Pumpgun, wenn man sie braucht?