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Frank Goosen //

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Uh!

Mein Name ist Frankur Wernersson. Jedenfalls laut der Webseite, auf der man seinen Namen islandisieren kann. Geholfen hat es nichts. Frankreich hat den isländischen Fisch 5:2 entschuppt. Island ist raus mit einem stolzen „Uh!“, aber raus ist raus. Ja, gut, die Gallier waren klar besser, aber es gibt nichts Schlimmeres als den Satz: Der Bessere soll gewinnen. Der kommt immer von Leuten, die sich nicht für Fußball, ja überhaupt für Sport interessieren. Es soll gewinnen, wer uns von einer besseren Welt träumen lässt. Also der VfL Bochum. Oder eben ein Land, das in der Lage ist, zehn Prozent seiner Bevölkerung in ein anderes Land zu entsenden, um einem Fußballspiel beizuwohnen. Funktioniert aber auch nur bis zu einer gewissen Anzahl. Acht Millionen Deutsche in Paris? Nee, lass mal.

Eigentlich hatte man doch gedacht, es könne nichts schief gehen. Hatte Aron Gunnarsson nicht den Weg zum Sieg auf den Oberkörper tätowiert wie Wentworth Miller in „Prison Break“ den genialen Ausbruchsplan? Sind französische Spione nachts ins isländische Mannschaftshotel eingedrungen und haben den schlafenden Gunnarsson fotografiert, um dann die Schriftzeichen auf seinem Körper zu entschlüsseln?

Um mal eine andere Perspektive in diesen Blog zu bringen, frage ich meine Frau, ob sie gestern irgend etwas witzig fand? Ihre prompte Antwort: „Mein Spanischkurs!“ Aha, denke ich, deshalb rennt sie also in den letzten Tagen ständig mit Kopfhörern durch die Gegend und ruft: „Tu vas a pagar?“ - „Tengo solo tres Euros.“ Lustig sei, sagt sie, dass es ständig um Geld gehe. Und vor allem darum, dass man nur wenig davon besitzt. Weil der Kurs bisher nur die Zahlen bis zehn behandelt hat. „Da treffen sich zwei und die eine sagt: Hola, wie viel Geld hast du?- Ich habe nur drei Euro! - Hast du Durst? - Ja, ich mag Bier.“ Lebensnahe Dialoge erhöhen offenbar den Lerneffekt.

Bringen aber einen Fußballblog nicht weiter. Dass sich jemand während eines großen Turniers mit etwas anderem beschäftigen kann, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

Eine Tüte Pattex

Wie sagt Lloyd Bridges in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“? „Dies ist nicht der Moment, sich das Klebstoffschnüffeln abzugewöhnen.“ Wir alle waren gestern Abend kurz davor, damit überhaupt erst mal anzufangen. Aber ehrlich gesagt, so muss es auch sein. Viertelfinale Europameisterschaft, da hat es zu krachen, da musst du Angst haben und in der Verlängerung rausgehen und Hortensien schneiden. Ist kein Witz: Der Busch vor unserem Haus ist in den letzten Wochen geradezu explodiert, da musste dringend was passieren, und als Kitty und Bärbel es nicht mehr aushielten, gingen sie nach draußen und fingen an, das Ding zu stutzen. Die Scheren dafür hatten sie sich eigens mitgebracht. „Wir wussten doch, dass es so kommen würde. Und bei dir ist eigentlich immer was zu tun.“ Subtiler Hinweis darauf, dass ich nicht gerade der Heimwerker bin.

Neben Hobbygärtnerinnen hatten gestern aber auch viele Menschen in meinem Keller das zweite Gesicht. Vor dem Elfmeterschießen wurde gebrüllt: „Nicht der Müller! Nicht der Özil! Oh Gott, der Schweini!“ Denen war völlig klar, dass Müller, Özil und Schweinsteiger verschießen würden. Mir war das nur beim Italiener Zaza klar. Nur fürs Elferschießen eingewechselt, blöder Anlauf, versemmelt - so hätte ich das in einem Roman geschrieben. Und meine Lektorin hätte gesagt: „Ist doch total unrealistisch!“

Hochmut gegenüber Italien ist aber gänzlich unangebracht. Sagen wir es, wie es ist: Das waren die coolsten Azzuri seit langem! In der defensiven Organisation Weltklasse, voller Leidenschaft, mit einem charismatischen Trainer - und der Altersdurchschnitt verlieh ihnen einen Hauch von Underdog-Status. Wenn ein großer Sportsmann wie Gianluigi Buffon am Ende einen reinlässt, der nicht völlig unhaltbar war, dann sollten wir nicht hämisch sein. Es ist die Dämmerung einer Legende. Zu emotional? Das hier ist Fußball, Freunde, die Oper der Massen.

Jetzt also gegen Island. Ich lege schon mal eine Tüte Pattex bereit.

Dürfen die das?

Na, Urlaub schon umgebucht? Eine Woche Island, eine Woche Wales? Wales hat gestern Favorit Belgien abgeschossen. Während des Spiels habe ich von einem Freund, der eine fünfjährige Tochter hat, die gerade beginnt, sich für Fußball zu interessieren, eine Nachricht bekommen: „Tochter fragt nach dem dritten Tor für Belgien ängstlich: Papa, dürfen die das?“ Ja, es ist tatsächlich jeder Mannschaft erlaubt, so viele Tore zu erzielen, wie sie möchte. Könnte man glatt vergessen bei dieser EM.

Aber wie haben die das gemacht? Der mittlerweile zurückgetretene englische Nationaltrainer Roy Hodgson hat noch im Mai gesagt, Fußballspiele würden nicht durch Systeme entschieden, sondern durch Fußballer. Um dann gleich mal zu beweisen, dass auch gute Fußballer heutzutage nichts mehr sind ohne ein System. Island und Wales haben eine Spielidee und wissen defensiv wie offensiv genau, was sie zu tun haben, außerdem sind sie topfit. Wenn dazu Mentalität und Begeisterung kommen, kannst du manchen Nachtteil ausgleichen. Deshalb will ich auch nicht mehr hören, dass bei Island ein Filmregisseur im Tor steht und der Trainer Zahnarzt ist. Der isländische Fußball ist in den letzten Jahren hochprofessionell nach vorn gebracht worden: top ausgebildete Trainer (mehrere hundert mit UEFA B-Lizenz), moderne Trainingsmethoden. Auch Chris Coleman, der walisische Trainer, weiß genau, was er tut. „Geht's raus und spielt's Fußball!” war im letzten Jahrhundert. Alles andere ist Stammtischgelaber.

Und wer hat das alles vorher gewusst? Die Bärbel! Die ist nämlich in unserer Tipprunde die einzige, die konsequent auf den Underdog setzt. Wacht auf, Verdammte dieser Erde! Na gut, rein vom Einkommen her, wirkt Gareth Bale jetzt nicht sehr verdammt, aber egal!

Und, Kinder, Fuerteventura ist abgesagt, hier seht ihr unser neues Urlaubsziel. Und die englischen Spieler sind schon da:

Kann da nicht irgendjemand eingreifen?

Wir haben jetzt ein Kaninchen im Garten. Heute früh ist mir eine Packung Milch auf den Boden gefallen, aber senkrecht, so dass die Packung nur unten kaputt war und kaum etwas ausgelaufen ist. Und die Zeitung ist etwas später gekommen wegen irgendwelcher Tarifauseinandersetzungen. Warum erzähle ich das? Weil das immer noch interessanter ist als Polen gegen Portugal gestern. Kann da nicht irgendjemand eingreifen, wenn absehbar ist, das aus so einem Spiel nichts wird? Und das Elfmeterschießen einfach vorziehen? Da hat man doch eine Verantwortung! Als UEFA, als übertragende Sendeanstalt, als Schiedsrichterteam. Die Portugiesen haben jetzt fünf Spiele bei der EM gemacht. Kein einziges haben sie in 90 bzw. 120 Minuten gewonnen. Die haben nicht mal geführt! Trotzdem stehen sie im Halbfinale. Beim VfL Bochum würde ich mich über so etwas freuen, weil es bei uns dreist und frech wäre, auf so eine Kleine-Strolche-Art. Immerhin gab es gestern nicht nur einen Flitzer, sondern wir durften den auch sehen. Bisher wurden in solchen Momenten immer schwitzende Spieler oder starren Trainer gezeigt, weil dieses anarchische Moment nicht zur Inszenierung des familienfreundlichen, „sauberen“ Fußball passt, den sich die Verbände wünschen, weil er sich für das Eventpublikum besser vermarkten lässt. Eine ganze Horde von Sicherheitsleuten rannte hinter dem Mann her. Für einen Moment kam also Tempo ins Spiel. Und das wurde dann gleich unterbunden, schlimm. Aber, Freunde der Sonne, Flitzer sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren. Der gestern war nämlich angezogen. So geht das: